Nährstoffe
Warum B-Vitamine bei Nervenbeschwerden oft nicht reichen
Wer über brennende oder kribbelnde Füße klagt, bekommt fast immer denselben Rat: B-Vitamine. Das ist kein schlechter Rat, denn die Nerven brauchen sie. Trotzdem erzählen viele, dass sie über Monate Präparate gekauft haben und sich wenig verändert hat. Das hat nachvollziehbare Gründe.
Von der Redaktion von Ruhige Füße · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Was B-Vitamine für die Nerven tun
B-Vitamine gelten seit Langem als „Nervennahrung“, und das nicht ohne Grund. Für mehrere von ihnen ist in der EU offiziell anerkannt, dass sie zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen:
- Vitamin B1 (Thiamin) wird für den Energiestoffwechsel gebraucht, auch in den Nervenzellen.
- Vitamin B6 ist an der Bildung von Botenstoffen beteiligt, mit denen Nerven Signale weitergeben.
- Vitamin B12 wird unter anderem für die Schutzhülle der Nerven und für die Blutbildung benötigt. Folsäure arbeitet eng mit B12 zusammen.
Wann sie wirklich helfen
B-Vitamine sind dann hilfreich, wenn der Körper zu wenig davon hat. Ein Mangel ist häufiger, als viele denken, besonders bei:
- älteren Menschen, weil der Magen Vitamin B12 mit den Jahren schlechter aufnimmt
- vegetarischer oder veganer Ernährung
- regelmäßigem Alkoholkonsum
- Menschen nach Operationen an Magen oder Darm
- der Einnahme bestimmter Dauermedikamente; welche das sind, weiß Ihr Arzt oder Apotheker
Besteht ein Mangel, ist der Ausgleich sinnvoll, und die Beschwerden können sich bessern. Ob das der Fall ist, lässt sich nicht erraten. Ein Bluttest beim Hausarzt gibt Auskunft.
Das Bild vom löchrigen Eimer
Viele Menschen nehmen B-Vitamine aber, ohne zu wissen, ob ihnen überhaupt etwas fehlt. Stellen Sie sich einen Eimer mit Löchern im Boden vor. Sie können noch so viel Wasser hineingießen: Er wird nicht voll. Solange niemand nach dem Leck sucht, bleibt das Nachfüllen vergeblich.
Ähnlich ist es bei Nervenbeschwerden. Liegt die eigentliche Ursache woanders, etwa bei einem erhöhten Blutzucker, bei Alkohol, einer Schilddrüsenerkrankung oder einem eingeklemmten Nerv, kann zusätzliches Vitamin daran wenig ändern. Das ist kein Vorwurf an Apotheke oder Arztpraxis. B-Vitamine sind ein naheliegender, gut verträglicher erster Schritt. Sie sind nur nicht für jede Ursache die passende Antwort.

Rechnen Sie einmal nach
Viele Menschen mit Nervenbeschwerden haben im Lauf der Zeit eine kleine Sammlung angelegt: ein Vitamin-B-Komplex aus der Apotheke, Tropfen, eine Creme, ein Magnesiumpräparat, vielleicht noch etwas aus der Drogerie. Jedes einzelne Produkt war nicht teuer, zusammen kommt aber über Monate einiges zusammen. Es lohnt sich, einmal ehrlich Bilanz zu ziehen: Was nehme ich, seit wann, und hat sich dadurch etwas verändert? Das ist kein Grund, sich zu ärgern. Es ist eine gute Grundlage für das nächste Gespräch in der Arztpraxis.
Mehr ist nicht besser
Wer keine Besserung spürt, greift oft zu höheren Mengen oder kombiniert mehrere Präparate. Gerade beim Vitamin B6 ist das nicht ratsam: Werden über lange Zeit hohe Mengen eingenommen, kann es selbst Kribbeln und Taubheitsgefühle auslösen, also genau die Beschwerden, die man lindern wollte. Achten Sie deshalb darauf, wie viel B6 insgesamt in allen Ihren Präparaten steckt, auch in Multivitamin- und Magnesiumprodukten.
So gehen Sie sinnvoll vor
- Werte bestimmen lassen. Bitten Sie Ihren Hausarzt, Vitamin B12 und Folsäure zu prüfen. Für B12 gibt es aussagekräftigere Spezialwerte als den einfachen Standardwert. Fragen Sie danach.
- Ursache suchen. Blutzucker, Schilddrüse, Nieren und Medikamente gehören zur Abklärung dazu.
- Gezielt ergänzen. Wenn ein Mangel besteht, besprechen Sie Form und Menge mit Ihrem Arzt.
- Bilanz ziehen. Schreiben Sie auf, was Sie schon seit wann nehmen und was es gebracht hat. Das schützt vor Doppelungen und vor unnötigen Ausgaben.
B-Vitamine aus der Küche
Ein großer Teil des Bedarfs lässt sich über das Essen decken. Vitamin B12 steckt fast nur in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Eiern, Milch und Käse. Vitamin B1 findet sich in Vollkornbrot, Haferflocken, Hülsenfrüchten und Schweinefleisch, Vitamin B6 unter anderem in Fisch, Geflügel, Kartoffeln und Nüssen. Folsäure liefern grünes Blattgemüse, Kohl und Hülsenfrüchte. Wer abwechslungsreich isst, ist gut aufgestellt. Wer sich vegan ernährt oder nur noch wenig isst, sollte mit dem Arzt über eine gezielte Ergänzung sprechen.
Was über Vitamine hinaus wichtig ist
Unabhängig von Präparaten helfen ein paar Grundlagen: wenig Alkohol, regelmäßige Bewegung und gute Fußpflege. Auch der Schlaf spielt eine Rolle, denn wer erholt ist, nimmt Beschwerden oft weniger stark wahr. Tipps für die Nacht finden Sie in unserem Beitrag Besser schlafen trotz Fußbeschwerden.
Viele Menschen interessieren sich zudem für pflanzliche Stoffe und Honig. Was etwa hinter der MGO-Angabe auf Manuka-Honig steckt, lesen Sie in Manuka-Honig und MGO.
Häufige Fragen
Welche B-Vitamine sind gut für die Nerven?
Vor allem Vitamin B1, B6 und B12 tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Folsäure arbeitet eng mit B12 zusammen.
Warum helfen meine B-Vitamine nicht?
Häufig liegt gar kein Mangel vor, oder die Beschwerden haben eine andere Ursache. Dann ändert zusätzliches Vitamin wenig. Lassen Sie Ihre Werte bestimmen und die Ursache abklären.
Kann man zu viel Vitamin B6 nehmen?
Ja. Hohe Mengen über lange Zeit können selbst Kribbeln und Taubheit auslösen. Rechnen Sie alle Präparate zusammen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
Wie stellt man einen Vitamin-B12-Mangel fest?
Durch eine Blutuntersuchung. Neben dem Standardwert gibt es aussagekräftigere Spezialwerte, nach denen Sie Ihren Arzt fragen können.
Wie lange sollte ich B-Vitamine nehmen?
Das hängt davon ab, ob und wie stark ein Mangel besteht. Besprechen Sie Dauer und Menge mit Ihrem Arzt und lassen Sie die Werte später erneut prüfen.
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