Natur & Wissen
Manuka-Honig und MGO: Was steckt hinter dem goldenen Honig?
Manuka-Honig ist teurer als jeder Honig im Supermarktregal und trägt eine geheimnisvolle Zahl auf dem Etikett. In Gesprächen über Gesundheit taucht er immer häufiger auf. Hier erfahren Sie, was ihn ausmacht, was die MGO-Angabe bedeutet und wo die Grenzen des Wissens liegen.
Von der Redaktion von Ruhige Füße · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Woher Manuka-Honig kommt
Manuka-Honig stammt aus dem Nektar der Südseemyrte (Leptospermum scoparium), eines Strauchs, der vor allem in Neuseeland und in Teilen Australiens wächst. Die Pflanze blüht nur wenige Wochen im Jahr, oft in abgelegenen Gegenden. Das erklärt einen Teil des hohen Preises. Der Honig ist meist dunkler und kräftiger im Geschmack als heimischer Blütenhonig, mit einer leicht herben, fast malzigen Note.
Was MGO bedeutet
MGO ist die Abkürzung für Methylglyoxal. Dieser Stoff kommt in kleinen Mengen in vielen Lebensmitteln vor. Im Manuka-Honig ist er jedoch deutlich stärker vertreten, weil der Nektar der Südseemyrte eine Vorstufe enthält, aus der sich Methylglyoxal bildet, während der Honig reift.
Die Zahl auf dem Glas, etwa „MGO 100+“ oder „MGO 400+“, gibt an, wie viele Milligramm Methylglyoxal mindestens in einem Kilogramm Honig enthalten sind. Je höher die Zahl, desto mehr MGO und desto höher meist der Preis. Daneben gibt es weitere Kennzeichnungen, zum Beispiel das UMF-System, das mehrere Merkmale zusammenfasst. Die Systeme lassen sich nicht eins zu eins vergleichen.
Der Unterschied zum Supermarkthonig
Abgesehen vom MGO-Gehalt ist Manuka-Honig ein Honig wie jeder andere: Er besteht zum größten Teil aus Zucker und Wasser, dazu kommen kleine Mengen an Enzymen, Pflanzenstoffen und Mineralien. Ein Teelöffel Manuka-Honig ist für den Körper also zunächst ein Teelöffel Zucker. Wer auf seinen Blutzucker achten muss, sollte deshalb auch mit teurem Honig zurückhaltend sein und das mit seinem Arzt besprechen.

Was über die Wirkung bekannt ist
Honig wird seit Jahrhunderten als Hausmittel verwendet, etwa bei Halskratzen oder Husten. Für Manuka-Honig haben Laboruntersuchungen gezeigt, dass Methylglyoxal das Wachstum bestimmter Bakterien hemmen kann. Daraus ist das große Interesse an diesem Honig entstanden.
Für Nervenbeschwerden sieht die Lage anders aus. Belastbare Studien, die zeigen, dass Manuka-Honig oder MGO als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung die Nerven in den Füßen beeinflusst, gibt es beim Menschen nach heutigem Stand nicht. Was man in Videos oder Präsentationen dazu hört, sind Erklärungen und Erfahrungsberichte, keine gesicherten Ergebnisse. Das heißt nicht, dass Menschen nichts empfinden. Es heißt nur, dass niemand es seriös versprechen kann.
Warum Honig in Gesprächen über Nerven auftaucht
Wer sich mit brennenden oder kribbelnden Füßen beschäftigt, stößt in Videos und Präsentationen immer wieder auf den „goldenen Honig“. Das Bild ist eingängig: ein natürliches, wertvolles Lebensmittel als Gegenentwurf zu Tabletten. Solche Erklärungen können neugierig machen, und das ist verständlich. Prüfen Sie aber, ob dort Aussagen des Herstellers wiedergegeben werden oder ob unabhängige Ergebnisse genannt sind, und lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen.
So genießen Sie Manuka-Honig
Als Lebensmittel wird Manuka-Honig meist pur vom Löffel, auf Brot oder in Joghurt gegessen. In Tee sollten Sie ihn erst geben, wenn das Getränk etwas abgekühlt ist, denn starke Hitze verändert Aroma und empfindliche Inhaltsstoffe. Bewahren Sie das Glas gut verschlossen, trocken und bei Zimmertemperatur auf. Wird der Honig fest oder cremig, ist das ein natürlicher Vorgang und kein Zeichen von Verderb.
Honig in Kapseln?
Einige Hersteller verarbeiten Manuka-Honig zu Extrakten oder Pulver und füllen ihn in Kapseln, teils kombiniert mit anderen Stoffen wie Ashwagandha. Wie viel Manuka-Extrakt tatsächlich enthalten ist und wie viel MGO darin steckt, sollte auf dem Etikett stehen. Fehlt eine Mengenangabe, lässt sich das nicht beurteilen. Lesen Sie die Zutatenliste deshalb in Ruhe und vergleichen Sie sie mit dem, was in der Werbung gesagt wird.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Klare MGO-Angabe mit Zahl, nicht nur „aktiv“ oder „premium“.
- Herkunft: Neuseeland oder Australien, mit Angabe des Abfüllers.
- Seriöse Bezugsquelle: Bei sehr niedrigen Preisen für hohe MGO-Werte ist Vorsicht angebracht, denn Manuka-Honig wird häufig gefälscht oder gestreckt.
- Nicht für Säuglinge: Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen, auch keinen Manuka-Honig.
- Allergien: Wer auf Pollen oder Bienenprodukte reagiert, sollte vorsichtig sein.
Fazit
Manuka-Honig ist ein besonderer, aufwendig gewonnener Honig mit einem ungewöhnlich hohen Gehalt an Methylglyoxal. Als Genussmittel und traditionelles Hausmittel für den Hals hat er seinen Platz. Für die Nerven ist er kein erprobtes Mittel. Wer brennende oder kribbelnde Füße hat, sollte zuerst die Ursache klären lassen, wie in unserem Beitrag Fußbeschwerden: Wann zum Arzt? beschrieben.
Häufige Fragen
Was bedeutet MGO auf Manuka-Honig?
MGO steht für Methylglyoxal. Die Zahl gibt an, wie viele Milligramm davon mindestens in einem Kilogramm Honig enthalten sind, zum Beispiel MGO 100+ oder MGO 400+.
Ist Manuka-Honig gut für die Nerven?
Dafür gibt es beim Menschen bislang keine belastbaren Belege. Bekannt ist vor allem die Wirkung von Methylglyoxal gegen bestimmte Bakterien im Labor.
Enthält Manuka-Honig weniger Zucker?
Nein. Wie jeder Honig besteht er zum größten Teil aus Zucker. Wer auf den Blutzucker achten muss, sollte das mit dem Arzt besprechen.
Wie erkenne ich echten Manuka-Honig?
An einer klaren MGO- oder UMF-Angabe, der Herkunft aus Neuseeland oder Australien und einem nachvollziehbaren Abfüller. Sehr günstige Angebote mit hohen Werten sind verdächtig.
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